Soziales
Mit Lebensmittelspenden gegen Einsamkeit von Kölner Senioren
Roland Meurer · 24.09.2026
Das Obstkäppchen-Team mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern beim Packen der Lebensmitteltüten. Foto: Roland Meurer
Saftige Äpfel, knackige Gurken, feuerrote Paprika: jede Menge frisches Obst und Gemüse stapelt sich auf den langen Tischen im Porzer Vereinsheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO). An jedem dritten Samstag im Monat treffen sich dort ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, um eine außergewöhnliche, komplett spendenfinanzierte Veedels-Aktion vorzubereiten. Sorgfältig stellen sie gesunde Lebensmittel und allerlei Zutaten für eine leckere Mahlzeit inklusive passendem Rezept zusammen, packen sie portionsweise in Papiertüten und überbringen sie persönlich an bedürftige ältere Menschen im Stadtbezirk.
Gegen Mangelernährung und Einsamkeit
„Obstkäppchen“ nennt sich der Verein, der seit 2017 an acht Standorten bundesweit aktiv ist. Im Dezember 2025 eröffnete er in Porz seinen ersten Kölner Standort. Die Mission: als modernes „Rotkäppchen“ möchte er Seniorinnen und Senioren mit geringem Einkommen regelmäßig mit frischem regionalem Obst und Gemüse versorgen. Das soll zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung beitragen und eine generationsübergreifende Solidarität schaffen. Nach dem Motto „Altersarmut kommt nicht in die Tüte!“ soll auch etwas gegen Mangelernährung und Einsamkeit unternommen werden.

Obstkäppchen-Gründerin und Geschäftsführerin Carina Raddatz (4.v.r.) mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern am neuen Standort Köln-Porz.
Fotos: Roland Meurer
Carina Raddatz, Gründerin des Projektes, fand in Christiane Weigand vom Förderverein Sparkasse KölnBonn eine tatkräftige Unterstützerin, um das Projekt in Porz an den Start zu bringen. Auch die örtliche Seniorenvertretung und das SeniorenNetzwerk, die Seniorenberatung sowie Ehrenamtliche des Runden Tischs Seniorenarbeit helfen seit einem Jahr beim Aufbau. Obstkäppchen sei ein gutes Beispiel dafür, wie Netzwerke im Quartier mit ihren unterschiedlichen Organisationen und den vielen haupt- und ehrenamtlich Engagierten zum Erfolg einer solchen sozialen Aktion beitragen können, sagt Seniorenkoordinatorin Brunni Beth. Aus einer guten Idee folge gemeinsames Handeln, aus der Vernetzung konkrete Hilfe für ältere Menschen.
Sieben Obstkäppchen-Aktive besuchen derzeit einmal im Monat 33 Seniorinnen und Senioren, bringen ihnen die Lebensmitteltüten persönlich nach Hause, nehmen sich Zeit für Gespräche, bauen Vertrauen auf und schaffen dadurch ein soziales Miteinander. „Das ist auch für uns Ehrenamtler ein wichtiger Aspekt,“ erzählt Jenny Engel, die seit acht Jahren im Verein aktiv ist und hin und wieder auch in Porz aushilft. „Es ist schön, wenn man regelmäßig die gleichen Leute besucht. Irgendwann kennt man deren Lebensgeschichte, die der Kinder. Ein Vertrauensverhältnis entsteht, man tauscht sich aus, schickt Postkarten aus dem Urlaub.“

Die Obstkäppchen-Lebensmitteltüten werden einmal im Monat bedürftigen älteren Menschen nach Hause gebracht. Foto: Roland Meurer
An diesem Samstagmorgen besucht sie die 70-jährige Rentnerin Mary O. Der Ton ist freundlich, der Empfang in der Wohnung herzlich. „Schön, dass du da bist“, freut sich Mary. „Was hast du Schönes mitgebracht?“ „Leckere Sachen, wie immer“, sagt Jenny. Das beigelegte Rezept braucht Mary nicht. Als Köchin weiß sie, was man aus den Lebensmitteln in der Tüte alles zaubern kann. Wichtiger sind ihr die Gespräche. „Weißt du, wie gut mir das tut“, sagt sie, „dass von euch einer kommt, klingelt und sagt: Mary ich hab‘ was für dich“. Ihr geht’s ums Plaudern, um die Begegnung mit Menschen.
Angefangen habe die Obstkäppchen-Geschichte, erzählt Carina Raddatz, als sie in der Kölner Innenstadt eine ältere Dame beobachtet habe, die im Mülleimer nach Pfandflaschen suchte. „Mich hat diese Dame an meine Oma erinnert. Ich dachte, wie kann es sein, dass in diesem Land, dem es eigentlich gut geht, Menschen leben, die in der Innenstadt in Mülleimern wühlen.“ Raddatz beschäftigte sich mit der Generation 65 plus, die in Deutschland zunehmend von Altersarmut bedroht ist, überlegte, was man dagegen tun könne, zumal mehrheitlich Frauen davon betroffen seien. Entstanden ist eine mehrfach ausgezeichnete soziale Initiative mit Wachstumspotenzial, deren ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei ihrem Engagement viel Anerkennung und Dankbarkeit erfahren. Ein Gewinn für alle Generationen. meu
Informationen
Ehrenamtliche zum Ausliefern gesucht.
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Kontakt:
Carina Raddatz,
Obstkäppchen gGmbH,
Im Mediapark 5,
50670 Köln
Tel. 0221 / 29 20 35 60 oder oder 0155 / 60 57 67 47
E-Mail: koeln@obstkaeppchen.de
www.obstkaeppchen.de
Standort Köln-Porz:
AWO Ortsverein Porz e.V.,
Glashüttenstr. 10,
51143 Köln,
Tel. 0221 / 29 20 35 60
Spendenkonto:
Obstkäppchen gGmbH
IBAN: DE03 3705 0299 0082 2744 01
BIC: COKSDE33XXX
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Tags: Armut , Ehrenamt , Einsamkeit , Ernährung , Lebensmitteltüten , Obstkäppchen
Kategorien: Soziales , Ehrenamt , Vereine / Organisationen