Leben in Köln

Wege aus der Einsamkeit im Alter

Lisa von Prondzinski · 24.02.2021

Bei Rosa Hübges* lässt das Hören und Sehen schon länger nach. In ihrer kleinen Wohnung kommt die Alleinlebende noch gut zurecht. Zum Spazierengehen braucht die 96-Jährige jedoch jemanden zum Unterhaken.

Früher war sie sportlich aktiv und ging bis vor einigen Jahren noch zur Gymnastik. Jetzt schafft die kleine, zierliche Frau das nicht mehr. Umso mehr freut sich Rosa Hübges, wenn es mit einer Nachbarin aus ihrem Haus an die frische Luft geht.

„Wir haben schon tolle Wanderungen gemacht, in den Blücherpark und in die Gegend, in der ich früher gewohnt habe“,

erzählt die Hochbetagte. Die Nachbarin ist eine geschulte Betreuungskraft, die Hübges über einen Betreuungsdienst beschäftigt. Die Pflegekasse stellt dafür 125 Euro monatlich zur Verfügung. Zwischen den beiden Frauen hat sich inzwischen ein freundschaftlicher Kontakt entwickelt. „Sie kommt auch abends rüber und hilft mir mit den Augentropfen“, erzählt Hübges.

Ebenfalls froh ist sie über den regelmäßigen Besuch einer Frau vom Verein „Freunde alter Menschen“. „Die Dame ist einfach großartig. Wir haben uns sofort gut verstanden und Gesprächsstoff ist auch immer reichlich da. Bücher und Reisen zum Beispiel“, schwärmt Hübges.

„Dass es so etwas überhaupt gibt, habe ich zufällig von einer Bekannten erfahren“,

erinnert sie sich.

*Name geändert

 


Foto: Lisa von Prondzinski

Sevil Pilge liebt es, mit anderen Menschen etwas zu unternehmen. Gleichzeitig braucht die 72-Jährige eine Vertrauensperson: „Eine gute Freundin, mit der man alles besprechen kann.“

Ihre Kinder und Enkelkinder leben in Hamburg und München. Was für die türkischstämmige Frau jedoch kein Problem ist: „Ich reise gern, setze mich in den Zug oder Bus und ab geht’s“, meint sie. Vor zehn Jahren war das anders. Als ihr Mann starb, fiel sie in ein tiefes Loch, fühlte sich einsam. Dann wieder unter Menschen zu gehen, hat sie einiges an Überwindung gekostet.

So ging sie auch wieder zum Deutsch-Türkischen Verein Köln (DTVK) in Chorweiler. In dem interkulturellen Zentrum und Bildungswerk treffen sich zum Beispiel Frauengruppen. „Manchmal sind wir zwanzig oder noch mehr Frauen aus verschiedenen Ländern“, erzählt Pilge.

„Wir machen Gehirntraining, gehen ins Kino oder Theater oder erzählen einfach nur.“

Zurzeit nimmt sie dort auch an einem Smartphone-Kurs teil, um besser mit dem Gerät zurechtzukommen. Sevil Pilge ist ein hilfsbereiter Mensch: „Wenn andere glücklich sind, bin ich es auch. Meine eigenen Probleme vergesse ich dann.“

Deshalb hat sie sich unter anderem ehrenamtlich um einen Bewohner eines Seniorenheims gekümmert und in einer Grundschule bei der Nachmittagsbetreuung geholfen. Und dass sie wieder Mut gefasst hat, am Leben teilzunehmen, macht ihre Kinder glücklich.

„Als ich vor ein paar Jahren Tauchen gelernt habe, haben sie gesagt: ‚Wir sind richtig stolz auf dich, Mama‘“,

erzählt Pilge.

 


Foto: privat

Lebte seine Frau noch, wäre der 66-jährige Norbert Schulz längst im Ruhestand. Nach ihrem Tod vor zwei Jahren entschied sich der Projektmanager, weiter zu arbeiten.

Im ersten Trauerjahr unternahm Schulz kaum etwas, nur ab und zu eine Veranstaltung oder eine Geburtstagsfeier, „auch wenn ich mir am liebsten die Decke über den Kopf gezogen hätte“, sagt er. Es kam vor, dass er sich „unglaublich einsam“ fühlte, wenn alle außer ihm mit ihrem Partner da waren.

Inzwischen verbringt er wieder viel Zeit mit anderen Menschen. Ihm wurde irgendwann klar: Warten, bis andere auf einen zugehen, bringt nichts. „Manche Menschen denken vielleicht, man wolle in Ruhe gelassen werden, und verhalten sich zurückhaltend“, erzählt er.

„Deshalb muss man – auch wenn es schwerfällt – selbst den ersten Schritt machen.“

Von der Fülle der Angebote in seinem Viertel Klettenberg war der Witwer zunächst überrascht. Weil er jahrelang aus beruflichen Gründen nur am Wochenende in Köln war, hatte er vieles nicht mitbekommen. Und um die sozialen Kontakte und Aktivitäten hatte sich seine Frau gekümmert – immerhin 35 Ehejahre lang.

Am meisten beeindruckt ist Schulz von all dem, was die evangelische Kirchengemeinde in seinem Veedel auf die Beine stellt. Er besuchte dort einen Männer-Kochkurs. Anfang 2020 wurde er sogar ins Presbyterium gewählt.

„Sich neuen Herausforderungen zu stellen, das hilft und gibt ein gutes Gefühl. Man sollte offen sein für Neues und Ungewöhnliches“,

sagt Schulz. So hat er selbst noch nie eine Andacht gehalten. Jetzt, vor dem ersten Mal, hat er zwar etwas Lampenfieber, aber auch eine große Vorfreude.

Auch mit dem Rudern hat er angefangen. Der Sport hat es ihm wegen der Bewegung und der Gemeinschaft angetan. „Das erste Mal auf dem Fühlinger See war ein Desaster, aber ich werde weitermachen“, lacht er. Was als Nächstes ansteht? Er hört auf zu arbeiten und hat mehr Zeit für seine neuen Aktivitäten.

 

Kölner Adressen und Projekte gegen Einsamkeit

Zahlreiche Adressen finden Sie im Wegweiser „Gut informiert älter werden“ (online ansehen), erhältlich unter 0221 / 221-2 75 08 oder per E-Mail an: koelnerleben@stadt-koeln.de. Oder beim Zentralen Beratungstelefon für Senioren unter 0221 / 221-2 74 00.

SeniorenNetzwerke
Hier finden Sie die Adressen - sortiert nach Stadtteilen.
Webseite: www.seniorennetzwerke-koeln.de

Freizeit-Tandems
Stammtisch jeden 4. Dienstag im Monat, 18–20 Uhr, nicht im Dezember
Information: 01573 / 313 50 61
Webseite www.freizeit-tandems.de

Verein Freunde alter Menschen e. V.
Tel. 0221 / 95 15 40 49
Ria Ostwald
Webseite: www.famev-koeln.de

Kölner Seniorengemeinschaft für Sport - und Freizeitgestaltung e. V.(KSG)
Tel. 0221 / 42 10 23 30
Webseite: www.koelner-senioren.de

Telefonseelsorge
Tel.116 123
Evangelisch: 0800 / 111 0 111
Katholisch: 0800 / 111 0 222

„Plaudernummer“ für Menschen ab 60 Jahren
0221 / 95 49 12 63 – das ist die in Köln geschaltete Plaudernummer für Menschen, die älter als sechzig Jahre sind und sich einsam fühlen. Zweimal in der Woche, jeweils donnerstags und sonntags von 16 bis 19 Uhr, stehen lebenserfahrene, emphatische und gut gelaunte Plauderpaten für Gespräche und Aufmunterungen bereit. Selbstverständlich erreicht man die Plaudernummer zum Ortstarif, andere Kosten fallen nicht an. Die Initiatorinnen des Projekts, Tina und Mia, betonen, dass es sich nicht um Telefonseelsorge handelt. Ihnen geht es darum, Einsamkeit zu lindern und Freude zu verbreiten. www.plaudernummer.de

"Zeit für Sie"-Telefon
Zuhören und Reden - Ein Telefon-Gesprächsangebot von DOMFORUM und Stadtdekanat.
Mo.–Fr.  10 - 12 Uhr und 14 - 16 Uhr
Silvester, 31.12. / Neujahr, 1.1.: 10-12 Uhr und 14-16 Uhr.
0221 / 92 58 47 11 64 

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Tags: Einsamkeit , Hilfen und Beratung für Senioren , Veedel

Kategorien: Leben in Köln , Ratgeber