Leben in Köln

Zum Tod von Marie Luise Nikuta

Lydia Schneider-Benjamin · 27.02.2020

Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Im Alter von 81 Jahren starb die eingefleischte Karnevalistin Marie Luise Nikuta ausgerechnet am Karnevalsdienstag. Lesen Sie ein Interview, das KölnerLeben vor einiger Zeit mit ihr führte.

Sie wurde bekannt durch ihre Mottolieder, die sie seit fast einem halben Jahrhundert selber komponierte und textete. Noch in der diesjährigen Karnevalssession hat sie gemeinsam mit „De Schlofmütze“ den Titel „Et Hätz schleiht em Veedel“ heraus gebracht. Über 160 Karnevalslieder kamen zusammen. Darunter Erfolgstitel wie „Weiste wat, mer fahre met d’r Stroßebahn noh Hus“. Marie Luise Nikuta war Ehrenmitglied im Klub Kölner Karnevalisten, Ehrensenatorin in vielen Karnevalsgesellschaften und engagierte sie sich auch für Schwule und Transsexuelle. Der Kölner Künstler Cornel Wachter meint: „Die Nikuta" hat auf jeden Fall eine Straße, wenn nicht gar einen Platz in Köln verdient!“ Das wäre doch schön!

 

Interview mit Marie Luise Nikuta, das KölnerLeben vor einiger Zeit mit ihr führte:

 

Frau Nikuta, Sie wurden 1938 geboren, haben Sie den Krieg in Köln verbracht?

Ja, fast bis zum Schluss. Erst 1944 sind meine Eltern und meine Schwester mit uns raus nach Overath gezogen. Dort haben wir bei einer Familie mit sieben Kindern gelebt. Aber direkt nach Kriegsende sind wir wieder in die Stadt zurückgekehrt.

Sie sind mit der kölschen Sprache aufgewachsen?

Zuhause habe ich es nicht gesprochen, aber in der Florastraße in Nippes, wo ich aufwuchs, habe ich es auf der Straße gelernt.

Nun wohnen sie hier in der Residenz am Dom, gefällt es Ihnen?

Ja, es gefällt mir sehr gut. Bis vor einigen Jahren habe ich ja in Mauenheim gelebt, wir hatten ein großes Haus mit Garten in der Nibelungensiedlung. Aber seit diesem Erlebnis geht das nicht mehr. Da habe ich es verkauft, alle Möbel dagelassen und mich jetzt hier hübsch und hell neu eingerichtet. Alles von einem schwedischen Möbelhaus.

Was war denn passiert?

Es war am 18. Dezember 2013, ich schaute fern und hatte Kopfschmerzen wie nie zuvor. Ich rief meine Tochter an und fragte, was ich am besten tun solle. Und sie gab mir genau den richtigen Rat: „Geh ins nächste Krankenhaus“. Manch anderer hätte gesagt, nimm eine Kopfschmerztablette und leg Dich hin. Es wurde eine Hirnblutung diagnostiziert, noch am Abend kam ich unters Messer, das hat mir das Leben gerettet. Nach einer Reha bin ich jetzt wieder vollständig hergestellt.

Und Sie schreiben weiter Mottolieder?

Ja, so lange ich kann. Wissen Sie, die Idee dahinter war, dass man das Motto viel besser behält, wenn man es vertont. So habe ich angefangen 1968, nach der Geburt meiner Tochter, mit dem Motto „Kölsch, kölsch, kölsch“. Aber den Begriff „Mottoqueen“ mag ich nicht.

Wie sind Sie denn an Ihre musikalische Karriere gekommen?

Ich hatte damals als Versicherungskauffrau bei Gerling gearbeitet. Übrigens hat sich da ja auch alles verändert, das Viertel erkennt man ja kaum wieder. Da war ich jedenfalls bis zur Geburt meiner Tochter tätig. Als Kind hatte ich Klavierunterricht, habe im Chor gesungen, was ich übrigens auch heute noch tue, nun hier im Residenzchor. Mein Mann hat mich damals ermutigt, mit der Musik anzufangen. Das war am Anfang ein Zuschussgeschäft, es war schwer, da rein zu kommen, aber dann lief es.

Und Sie haben als einzige Frau die Goldene Ostermann Medaille für ihr musikalisches Werk bekommen…

Ja, ich habe in den Jahren so viele Orden gesammelt, von den meisten werde ich mich trennen. Ich veranstalte hier in der Residenz einen großen Ordensverkauf, der Erlös ist für einen guten Zweck.

 

Das Gespräch führte Lydia Schneider-Benjamin

Tags: Karneval , Nachruf

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