Leben in Köln

Hoch-Leistung - Höhenretter der Feuerwehr

Christian Deppe · 20.10.2020

Wer Menschen aus luftigen Höhen auf den sicheren Boden bringen will, braucht nicht nur Mut und Know-how. Er muss auch deren Vertrauen gewinnen können. Foto: Costa Belibasakis

Wer Menschen aus luftigen Höhen auf den sicheren Boden bringen will, braucht nicht nur Mut und Know-how. Er muss auch deren Vertrauen gewinnen können. Foto: Costa Belibasakis

Kein Turm ist dieser Truppe zu hoch und kein Schacht zu tief, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten: das Höhenrettungsteam der Berufsfeuerwehr.

Der Einsatz, der am eindrücklichsten in seiner Erinnerung haften blieb, ist nicht etwa die spektakuläre Rettung aus der Rheinseilbahn. Auch nicht der Job auf der Plattform des über neunzig Meter hohen Braunkohlebaggers im Tagebau Hambach oder die Übung am Turm Montparnasse über den Dächern von Paris.

Bewegende Momente

Was Frank Kelzenberg, den Leiter der Höhenretter der Kölner Feuerwehr, in seiner bisherigen Laufbahn am meisten bewegte, trug sich an einem Hochhaus in Porz zu. „Unzählige Male werden wir zu Menschen gerufen, die sich das Leben nehmen wollen“, erzählt der Höhenretter. „Ein 17-jähriges Mädchen stand damals jenseits der Balkonbrüstung und wollte sich hinunterstürzen – aus Liebeskummer.

Wir haben mit ihr geredet, versucht, sie von dem Gedanken abzubringen, aber sie hörte uns gar nicht zu. Als wir spürten, dass sie gleich springen würde, haben mein Kollege und ich uns mit den Augen verständigt und sie mit einem Hechtsprung gerade noch erwischt.“ Wenn man wie in diesem Fall Menschenleben retten könne, entlohne dieses Gefühl für alle Strapazen des Jobs, berichtet Frank Kelzenberg. Andererseits: „Wenn das nicht gelingt, läuft einem der Einsatz schon einige Tage hinterher.“

Hoch hinaus – tief hinunter

Die Mannschaft aus 43 Höhenrettern und einer Höhenretterin – darunter zehn Ausbilder – ist eine Sondereinheit der Berufsfeuerwehr der Stadt Köln. Das auf der Feuerwache Ehrenfeld stationierte Team versieht in der Regel den üblichen Lösch- und Rettungsdienst, bekämpft Brände oder leistet bei Unfällen Erste Hilfe.

Sobald jedoch ein Höhenretter benötigt wird – zwischen 100 und 120 Mal im Jahr –, wechseln die Ehrenfelder Feuer wehrleute ihre Ausrüstung und eilen in ihren Spezialanzügen zu Hilfe. „Jeden Tag sind mindestens sechs von uns im Dienst. Wir werden gerufen, wenn andere an Grenzen stoßen“, so Kelzenberg.


Als der höchste mobile Baukran Deutschlands beim TÜV in Porz im Einsatz war, wurde das Abseilen eines Kranführers trainiert. Fotos: Feuerwehr Köln

Immer zur Stelle

Und diese Grenzen liegen nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Tiefe. Nicht nur wenn ein Bauarbeiter auf einem hohen Baugerüst einen Herzinfarkt erleidet, wenn ein Kranführer in seiner Kabine einen Schwächeanfall bekommt, ein Fensterputzer in seiner Gondel oder ein Paragleiter in einem Baum festhängt, sondern auch wenn ein Arbeiter beim Bohren eines Brunnens in einen tiefen Schacht gefallen ist, dann ist das Höhenrettungsteam zur Stelle.

Und wenn es die Zeit zulässt, befreien sie auch schon mal einen Mauersegler, der hinter einem Fallrohr stecken geblieben ist.

Schwindelfreie Einsätze europaweit

Das Einsatzgebiet endet nicht an der Kölner Stadtgrenze, sondern umfasst den gesamten Regierungsbezirk Köln und geht zuweilen sogar darüber hinaus. „Weil es in Köln die Rheinseilbahn gibt und eine Reihe von Hochhäusern, hat die Stadt 1995 ein eigenes Höhenrettungsteam gegründet“, erklärt Kelzenberg.

Da aber nur wenige Städte über eine solche Spezialeinheit verfügen, erbitten die Feuerwehren im Umland oftmals die Hilfe der Kölner Kollegen.

Bei Hitze und Unwetter

Zum Beispiel als nahe des Hambacher Forstes Braunkohlegegner mehrere der riesigen Schaufelradbagger erklommen und besetzt hatten. „Das war ein sehr heißer Tag, und da ein Unwetter drohte, wurden wir zu Hilfe gerufen, um die Besetzer sicher wieder auf die Erde zu bringen“, so Kelzenberg.

Sogar im Ausland, etwa in Paris am Eiffelturm sowie am 210 Meter hohen Büroturm Montparnasse, waren er und seine Kollegin und Kollegen im Rahmen einer Übung schon im Einsatz: Die Truppe pflegt den regen Austausch mit Höhenrettungsteams anderer Städte in den Nachbarländern.


Übung mit Aussicht: Den Ernstfall probt das Höhenrettungsteam auch auf dem Riesenrad im Rheinauhafen. Fotos: Feuerwehr Köln

Prüfung in Höhentauglichkeit

Grundsätzlich kann jeder Feuerwehrmann oder jede Feuerwehrfrau zum Team dazustoßen. Voraussetzung: Er oder sie muss schwindelfrei sein. Bewerberinnen und Bewerber müssen sich daher neben einer speziellen medizinischen Untersuchung auch noch einer Höhentauglichkeitsprüfung unterziehen.

Wer dann auch die Praxisübung meistert und die dreißig Meter hohe Rettungsleiter auf der Unterseite – also mit dem eigenen Gewicht gegen die Schwerkraft – hinaufklettert, wird in einem Lehrgang auf die besondere Aufgabe vorbereitet. Fünf Jahre arbeitet man dann als Trainee im Team. „Wenn er sich in dieser Zeit bewährt, wissen wir, dass wir ihn nun allein laufen lassen können“, sagt Kelzenberg.

Berühmt dank Rheinseilbahn

Bundesweit bekannt wurden die Kölner Höhenretter durch zwei Vorfälle an der Rheinseilbahn. Nach einer Blockade der Bahn während eines Sturmtiefs im Oktober 2014 mussten zwei amerikanische Touristen und eine vierköpfige Familie durch Abseilen aus ihren Gondeln befreit werden.

Und am 30. Juli 2017 saßen dann sogar 65 Personen in mehreren Kabinen fest, nachdem sich ein Serviceseil um eine der Gondeln gewickelt hatte. Da mals mussten sich die Einsatzkräfte noch mühsam mit herkömmlichen Seilwinden und reiner Muskelkraft von Gondel zu Gondel ziehen.

Inzwischen haben die Kölner Verkehrs-Betriebe als Seilbahnbetreiber vier Seilfahrtgeräte angeschafft. Sie können mittels eines einfachen Akkuschraubers beschleunigt werden, sodass man die Gondeln im Notfall schneller erreicht. Bei einer Übung Mitte März 2019 haben die Höhenretter diese Geräte erstmals erfolgreich getestet.

Keine Zweifel

Selbst als er 2014 bei stürmischem Wind an jener Gondel hing, in der das Ehepaar mit seinen kleinen Kindern bangte, habe er keine Sekunde daran gezweifelt, dass alles gut enden würde, erinnert sich Kelzenberg. Die größte Unsicherheit gehe in der Regel von der Unberechenbarkeit der zu rettenden und verständlicherweise verängstigten Menschen aus.

„Wir versuchen stets, sie zu beruhigen, machen Scherze, um der Situation das Dramatische zu nehmen“, berichtet der Höhenretter. „Ich sage ihnen dann, dass alles ganz easy ist und wir jetzt einen kleinen Spaziergang machen. Das beruhigt die Menschen. Wenn sie unten sind, sehen das manche im Rückblick dann allerdings doch etwas anders.“

Eine Nummer für alle Fälle: 112

Nicht nur wenn es brennt, auch der Katze im Baum, bei Öl auf der Fahrbahn oder Wasser im Keller: Die Feuerwehr hilft!

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Tags: Feuerwehr Köln , Stadt Köln

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