Leben in Köln

Bestattungstrends: Vielfalt für eine kleine Ewigkeit

Karin Bünnagel · 20.10.2020

Ein modernes Krematorium für Köln

2009 gab es in Köln erstmals mehr Urnen- als Sargbestattungen, und der Trend setzt sich weiter fort. Im Jahr 2019 sah die Verteilung der insgesamt 8.400 Bestattungen so aus: ein Drittel Sargbestattungen, zwei Drittel Urnenbestattungen.

Ich erfahre, dass die gestiegene Nachfrage auch eine Modernisierung des einzigen Kölner Krematoriums am Westfriedhof nötig machte: Es wurde privatisiert und an ein niederländisches Unternehmen vergeben.

Die Räume wurden würdevoll gestaltet, dort können Angehörige Abschied nehmen und auf Wunsch auch bei der Übergabe des Sarges an das Feuer anwesend sein. Und noch eines erfuhr ich: Bei der anschließenden Bestattung der Urne gibt es mehr Gestaltungsmöglichkeiten mit sehr ansprechenden Trends.


Bei der Wahl der Grabstätte in einem Naturwald ist der Förster behilflich. Am Baum darf später nur eine kleine Namenstafel hängen. Foto: FriedWald GmbH

Angesagt: Bestattungsgärten und Waldesruh’

Es gebe zwei Haupttrends bei den Grabarten, berichtet mir Peter Figgen: Bestattungsgärten und Baumbestattungen. Bestattungsgärten sind Friedhofsbereiche, geeignet für Sarg und Urne, die von Friedhofsgärtnern nach einem bestimmten Motto gestaltet sind: der Bauern und Rosengarten oder die Naturwiese mit heimischen Wildkräutern und Wiesenblumen.

Das Grab ist über die gesamte Nutzungsdauer hinweg also gepflegt, ohne dass sich jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis dazu verpflichtet fühlen muss. Guter Nebeneffekt: Diese Gärten sind günstiger, als ich dachte. Mittlerweile gebe es siebzehn dieser Bestattungsgärten in unterschiedlichen Größen auf elf Kölner Friedhöfen, weitere dreizehn Vorhaben befinden sich in Planung, erfahre ich.

Preisbeispiele

(Kosten rein für Nutzungsrechte, ohne Beisetzung)

In Köln kann sich jeder bestatten lassen, auch ohne hier gemeldet zu sein. Umgekehrt kann auch jeder Kölner außerhalb Kölns bestattet werden.

Pflegefrei:

Anonyme Urnengrabstätte:
Friedhof Brück – Lehmbacher Weg, Steinneuerhof sowie Nordfriedhof. Einheitliche Rasenfläche mit einem gemeinsamen Denkmal, Nutzungsrecht 20 Jahre, Urne, Kosten ca. 1.536 Euro

Reihengrab auf Rasenfeld:
Urne 20 Jahre, 1.900 Euro, Sarg 12 Jahre, 1.765 Euro

Baumgrabstätte:
Nord- und Ostfriedhof, Friedhof Steinneuerhof, Worringen, Leidenhausen. Freie Grabauswahl am Baum, Grabstein möglich, Nutzungsrecht 20 Jahre, Urne, Kosten ca. 1.536 Euro

Naturwald:
Ostfriedhof, ohne Grabkennzeichnung: Urne, ohne Trauergäste ca. 600 Euro; mit Trauergästen ca. 740 Euro

Bestattungswälder:
Liegezeit maximal 99 Jahre bis Auslaufen desP achtvertrags. Preis richtet sich nach Größe und Art des Baumes, zum Beispiel inklusive Urne im FriedWald ab 850 Euro/Ruheforst ab 700 Euro

Kolumbarium:
St. Bartholomäus und Melaten (geplant), Nutzungsrecht 20 Jahre, Einzelgrabstätte ab 3.050 Euro

Mit Pflegeverpflichtung:

Bestattungsgarten:
St. Bartholomäus und Melaten (geplant), Nutzungsrecht 20 Jahre, Einzelgrabstätte ab 3.050 EuroNutzungsrecht 25 Jahre, für Urne 1.905 Euro, für Sarg 1.945 Euro, dazu kommen die Gebühren für die Pflege des jeweiligen Garten durch die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner. Eine genauere Berechnung ist hier möglich.

Wahlgrab:
Nutzungsrecht 25, manchmal 30 Jahre, Kosten 1.945 Euro Sarg und/oder Urne im großen Feld, 1.905 Euro bei kleiner Grabfläche

Unterm Baum begraben – oder gleich im Wald

Der zweite Trend: Aus Naturverbundenheit entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Baumgrabstätte auf einem städtischen Friedhof oder für die Bestattung in einem Naturwald. Dies geht jedoch ausschließlich mit Urnen. „Eine Baumgrabstätte ist auf dem Nord- und Ostfriedhof sowie auf drei weiteren Friedhöfen möglich“, erzählt Figgen.

Die Urne wird an einem Baum, den man selbst auswählen kann, beigesetzt. Der Platz wird mit einer Steinplatte markiert, damit Trauernde ihn finden können. Anders im Naturwald: Hier gibt es keine nachvollziehbare Lage-Kennzeichnung, nur eine Namenstafel am Baum verrät, dass dort eine Urne beigesetzt ist. Hier ist eine Bio-Urne Pflicht, die sich rückstandsfrei zersetzt. Sie kann aus Holz, Naturfaser, Papier oder Naturkautschuk bestehen. Und so ist diese Form besonders umweltfreundlich.

Unter der Buche im Kreis der Freunde

Das Internet verrät mir: Außerhalb von Köln gibt es zahlreiche Bestattungswälder, beispielsweise in Bergisch Gladbach, Lohmar, Dormagen und Hümmel. Wie bei einem klassischen Familiengrab kann man sich auch hier als Familie oder als Freundeskreis um einen Baum gruppieren, maximal zwanzig Menschen finden Platz.

Doch kann man zwischen verschiedenen Baumarten wählen? Dazu telefoniere ich mit Carola Wacker-Meister, Pressesprecherin des größten Anbieters in NRW, der FriedWald GmbH. Sie erzählt:

„Man denkt ja immer, die Eiche wäre der Deutschen liebster Baum, aber im FriedWald ist es mit Abstand die Buche.“

Sie ergänzt, Forstwirtschaft werde in dem Bereich des Waldes natürlich nicht betrieben. „Die Grabpflege übernimmt die Natur, Grabschmuck und Blumen sind nicht erwünscht, aber das kommunizieren wir den Angehörigen gegenüber auch“, sagt Wacker-Meister.


Ein Fach in einem schlichten Stahlschrank, so ruht man im Kolumbarium in St. Bartholomäus. Foto: Barbara Bechthoff

Oder lieber vollkommen erdfrei

Wer hingegen lieber ein festes Dach über dem Kopf möchte, fern von Natur und Erde, dem sei eine weitere Möglichkeit nicht vorenthalten: das Kolumbarium, ein Aufbewahrungsplatz für Urnen. Den Anfang machte in Köln die Grabeskirche St. Bartholomäus am Ehrenfelder Helmholtzplatz.

In der Kirche gibt es Stahlschränke mit Einzel- und Doppelkammern, die mit Messingplatten versehen sind. Auf denen können der Name und das Geburts- und Todesdatum eingraviert werden. Ein weiteres Kolumbarium wird in der historischen Trauerhalle auf Melaten entstehen.

All diese Entwicklungen führen dazu, dass es immer mehr Freiflächen auf den städtischen Friedhöfen gibt. In Köln wurde öffentlich die Diskussion über den „Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“ geführt. „Die Friedhöfe sind Orte der Ruhe, des Gedenkens und Innehaltens – und das sollen sie nach Meinung der Kölner Bevölkerung auch bleiben“, sagt Peter Figgen. Er ergänzt:

„Der Friedhof ist aber auch ein Naturraum, in dem Singvögel nisten können, ohne beispielsweise von Hunden gestört zu werden.“

Und ich bin mir sicher: Ich werde mir dort beizeiten einen schönen Platz in einem Bestattungsgarten aussuchen, nah an meinem Veedel. Denn hier bin ich zo Huss, auch für die kleine Ewigkeit.

Mein Grab, ein Denkmal – Patenschaften für Denkmalpflege 

Die Denkmalpflege verleiht Patenschaften für historische Grabanlagen, beispielsweise auf Melaten. Als Pate erklärt man sich zu Lebzeiten dazu bereit, die Kosten für die sachgemäße Wiederherstellung der Aufbauten und Bepflanzung einer historischen Anlage durch einen Steinmetz, Restaurator oder Gärtner zu übernehmen. Im Gegenzug darf man sich in der Grabstätte bestatten lassen.
Webseite: www.denkmalpflege-koeln.de/grabmäler.html

Service Friedhofsmobil

Zwei Friedhofsmobile holen Senioren ab 65 Jahre, die ein Grab besuchen möchten, kostenlos von zu Hause ab und bringen sie nach 30 Minuten wieder zurück. Die Initiative der Senioren ServicediensteKöln e. V. erreichen Sie kostenlos unter 0800 / 789 77 77.
Webseite: www.senioren-servicedienste-koeln.de/friedhofsmobil

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Tags: Bestattung , Friedhöfe

Kategorien: Leben in Köln