Leben in Köln

Sicher über schwieriges Pflaster

Wolfgang Guth · 01.08.2019

Fotolia / Wellnhofer

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Rollatoren sichern Millionen Menschen Mobilität. Vorausgesetzt, man wählt das passende Modell, stellt die Gehhilfe auf die persönlichen Anforderungen ein und trainiert eifrig den Umgang.

Seinem analytischen Blick entgeht nichts. Martin Theisohn, Sprecher der Kölner Seniorenvertretung und Mitorganisator des Kölner Rollatortages, erkennt schon auf die Entfernung von 50 Metern, dass der Herr im blau-weiß karierten Hemd mit seiner futuristisch anmutenden Gehhilfe eine Einheit bildet. „Der Gang ist aufrecht, die Füße bewegen sich exakt zwischen den Hinterrädern, die Griffe befinden sich in einer Höhe mit den Handgelenken, genau so muss es sein“, lobt er. Einige Sekunden später hat Karl von Sobbe die Ausstellungsfläche am südwestlichen Teil des Kölner Neumarkts erreicht. Dafür ist er eigens aus Gummersbach angereist. „Ich bin begeisterter Wanderer, erforsche immer noch das Bergische Land, deshalb habe ich mir dieses gut 1.000 Euro teure Gefährt namens ‚Velopes‘ gegönnt“, erklärt von Sobbe.

Lächelnd, aber durchaus konzentriert durchquert er den Hindernisparcours, bei dem verschiedene unebene Bodenbeschaffenheiten wie Pflastersteine, Schwellen, Bordsteine und Schrägen gemeistert werden müssen. Nicht alle Besucher kommen so leicht über die Teststrecke wie der Gummersbacher. Dann geben Experten ihnen Tipps und zeigen, wie sie die kleinen und größeren Hindernisse am besten bewältigen.

Das Angebot des Rollatortages umfasst daneben einen kostenlosen Sicherheits-Check für jeden mitgebrachten Rollator. Die Mitarbeiter eines Kölner Sanitätshauses prüfen dabei Griffhöhe, Bremsen, Bereifung und den technischen Zustand der Gehhilfe. Sie beraten auch Interessenten, die sich überlegen, einen Rollator anzuschaffen, bei der Auswahl des für sie passenden Modells.


Kleinere und größere Hindernisse sind auf der Teststrecke zu überwinden, für Karl von Sobbe kein Problem. Foto: Wolfgang Guth

Quer- oder Längsfalter?

Denn vorm Kauf gibt es viel zu bedenken, zum Beispiel die Falttechnik. Angeboten werden einfache Querfalterrollatoren und Längsfaltermodelle. Querfalter werden zum Transport und zum Verstauen über die Querachse gekippt, haben Stahlgestelle und wiegen um die zehn Kilogramm. Immerhin werden einige dieser preiswerten Modelle von der Krankenkasse gezahlt, wenn der Arzt den Rollator per Rezept verschreibt. Längsfaltermodelle sind deutlich teurer, die Preisdifferenz muss selber getragen werden. Durch ihren Aluminium- oder Karbonrahmen sind sie um ein Drittel leichter, das Zusammenfalten erfolgt einfach und sicher ohne Klemmgefahr durch das Ziehen einer Schlaufe. Längsfalter stehen eingeklappt platzsparend und von allein.

Unabdingbar: Kaufberatung

„Vor dem Kauf eines Rollators sollte man sich unbedingt klarmachen, wofür man ihn benötigt, welche Wege und Strecken man zurücklegen möchte. Und unabdingbar ist eine fachmännische Beratung, zum Beispiel in einem Sanitätshaus“, rät Martin Theisohn eindringlich. Vom überstürzten Kauf eines Billigangebotes bei einem Discounter hält er nichts. „Da fehlt nicht nur die fachmännische Beratung, sondern auch der Service und das Angebot zur regelmäßigen Wartung.“ Denn wie ein Auto braucht auch der Rollator in regelmäßigen Ab ständen eine Inspektion.

Stark nachgefragt: das Mobilitätstraining der KVB

Ein markantes optisches Zeichen auf dem Neumarkt setzt der Linienbus der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), den Markus Schönbein eigens für das Mobilitätstraining hat anfahren lassen. Schönbein, seit 2011 Mobilitätstrainer bei der KVB, demonstriert und übt mit den Besuchern das sichere Aus- und Einsteigen sowie das Abstellen der Gehhilfe im Bus und gibt Tipps zum richtigen Verhalten bei der Fahrt. Der Zuspruch zu diesem Angebot ist so groß, dass sich eine Warteschlange vor der geöffneten Bustüre gebildet hat. Auch Karl von Sobbe ist darunter. Denn zu seinen ausgedehnten Wanderungen möchte er sicher mit Bahn und Bus anreisen. „Der Umwelt, aber auch mir zuliebe.“


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Tags: Rollator , Sicherheit

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