Leben in Köln

Mit 300 Stundenkilometern durch Fühlingen

fjk · 10.11.2018

Die Alweg-Einschienenbahn war 1961 in der Ausstellung „Italia 61“ in Turin zu sehen. Foto: Jean-Henri-Manara / CC-BY-SA-2.0

Die Alweg-Einschienenbahn war 1961 in der Ausstellung „Italia 61“ in Turin zu sehen. Foto: Jean-Henri-Manara / CC-BY-SA-2.0

Beinahe hätte die Alweg-Bahn den Kölner Verkehr revolutioniert. In den 1950er-Jahren testete der schwedische Visionär Axel Lennart Wenner-Gren die rasante Einschienenbahn in der Fühlinger Heide.

Schon in den 1950er Jahren hatte man im Kölner Norden eine Vision vom reibungsfrei laufenden Verkehr, lange vor den Megastaus unserer Zeit. Die ALWEG-Bahn sollte bei bis zu 300 Kilometern pro Stunde einen kreuzungsfreien Verkehr und Kurvenfahrten mit unverminderter Geschwindigkeit ermöglichen.

Die Einschienenbahn wurde in der Fühlinger Heide auf zwei Versuchsstrecken getestet. 1952 entstand ein zwei Kilometer langes Oval mit stark überhöhten Kurven und 1957 eine kerzengerade Bahn, welche die Neusser Landstraße querte.

Als Initiator und Finanzier des geradezu futuristisch anmutenden Projekts wirkte der schwedische Industrielle Axel Lennart Wenner-Gren (1881–1961), aus dessen Initialen sich der Name ALWEG ableitete – eine Assoziation mit „alle Wege“ war dabei nicht unbeabsichtigt.

Die Bauarbeiten in Fühlingen waren zunächst geheim gehalten worden. Dann berichtete die Presse von der Bahn als einem „rasenden Torpedo“, der auf der Versuchsstrecke plötzlich auftauchen und wieder verschwinden würde. Damit war es mit der Geheimnistuerei vorbei.

Warum das Projekt nie umgesetzt wurde

Der damalige Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard wohnte 1952 Versuchsfahrten bei, und stolz zeigte man 1954 dem Kaiser von Äthiopien Haile Selassie I. die ALWEG-Bahn.

Die Idee war, die ALWEG-Bahn für Nahverkehrsverbindungen zwischen Köln, Leverkusen, Opladen und Niehl, Merkenich und Dormagen einzusetzen, auch eine Anbindung der „Neuen Stadt“ Chorweiler oder des Flughafens Köln/Bonn wurde diskutiert.

Warum es trotz großen Interesses sogar von Bundeskanzler Konrad Adenauer und seinem Sohn, dem Oberstadtdirektor Max Adenauer, nie zu einer Umsetzung des Projektes kam, ist nicht ganz klar. Ein Grund könnte die ablehnende Haltung der Bayerwerke gewesen sein, die auf Eisenbahn setzten.

Fakt ist, dass der Filmproduzent und Micky-Maus-Erfinder Walt Disney 1958 eine Nachbau-Lizenz für sein erstes Disneyland in Kalifornien erwarb, in dem eine ALWEG-Bahn im kleineren Maßstab bis heute fährt.

Seither fahren weltweit sechs Bahnen in der von Wenner-Gren erfundenen Bauweise. Durch seinen Tod 1961 und durch das Ausbleiben von Aufträgen geriet die ALWEG-Gesellschaft Mitte der 1960er Jahre in wirtschaftliche Schwierigkeiten, so dass die Fühlinger Versuchsstrecken bald beim Ausbau des Naherholungsgebiets „Fühlinger See“ verschwanden.

Heute noch sichtbare Relikte der ALWEG-Bahn sind Reste von Betonpfeilern der Gleisanlagen, zu sehen am Ortsausgang von Fühlingen, Neusser Landstraße / Ecke Kriegerhofstraße.

Weitere Informationen beim LVR-Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.

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Tags: Geschichte

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