Leben in Köln

40 Jahre aktiv für Köln

wg · 30.10.2018

Georg Herwegh, Dr. Manfred Wegner und Dr. Martin Theisohn. Fotos: Benjamin Horn

Georg Herwegh, Dr. Manfred Wegner und Dr. Martin Theisohn. Fotos: Benjamin Horn

Seit 1978 setzt sich die ehrenamtlich tätige Seniorenvertretung in Köln für die Belange und Interessen der älteren Generation ein. Auf Einladung von KölnerLeben haben drei der seit 2001 gewählten Sprecher Blicke zurück, in die Gegenwart und die Zukunft gewagt.

Geballte seniorenpolitische Kompetenz hat sich in den Redaktionsräumen von KölnerLeben eingefunden. Dabei sind der im Mai gewählte Sprecher der Kölner Seniorenvertretung, Dr. Martin Theisohn, und seine Vorgänger Dr. Manfred Wegner und Georg Herwegh.

Direkt zu Beginn unterbreitet Theisohn den Teilnehmern der Gesprächsrunde eine Hiobsbotschaft. „Die Düsseldorfer Seniorenvertretung ist älter als die Kölner“, räumt er der Landeshauptstadt den Vortritt ein.

Theisohn, gleichzeitig Stellvertretender Vorsitzender der Landesseniorenvertretung NRW, ist ein ausgezeichneter Kenner der seniorenpolitischen Landschaft und zollt trotz der zeitlichen Niederlage der Stadt Köln Anerkennung. Schließlich wird in Köln die Seniorenvertretung seit 1978 gewählt.

Der Düsseldorfer Rat hatte die Mitglieder des Seniorenrats zunächst lediglich berufen. Von allen Einwohnern ab sechzig Jahren wird er dort erst seit 1989 gewählt.

Und bei der Urwahl in Köln soll es bleiben, auch wenn die praktizierte Briefwahl teuer ist. Dem stimmen Georg Herwegh und Dr. Manfred Wegner kraftvoll zu. Die Urwahl sei extrem wichtig, um unabhängig gegenüber Parteien, Fraktionen, Verbänden und Verwaltung zu sein.

Grußwort von Henriette Reker an die Seniorenvertretung Köln

Die überparteiliche und überkonfessionelle Wahrnehmung der Arbeit der Seniorenvertretung sei überall da erfolgreicher, wo gewählt und nicht berufen wird.

Schmerzlich empfinden die drei Gesprächspartner immer noch die Querelen, die die Wahl 2016 überschatteten und die sie neben der allgemeinen Politikmüdigkeit als Hauptgrund für die auf 27 Prozent gesunkene Wahlbeteiligung ansehen.

Kandidaten einer rechtsorientierten Gruppierung hatten ihre Zugehörigkeit nicht angegeben. Das konnten sie, klärt Manfred Wegner auf, weil Stadtverwaltung und Rat dem mehrheitlich getragenen Beschluss der Seniorenvertretung nicht folgten, eine parteipolitische Zugehörigkeit zwingend im Kandidatenprofil anzugeben.

„Ein politischer Hintergrund eines Kandidaten muss bekannt sein“, verdeutlicht Georg Herwegh seinen Standpunkt und rät seinen Nachfolgern, die entsprechende Änderung der Wahlordnung weiterzuverfolgen.

„Die Seniorenvertretung ist die Stimme der älteren Generation außerhalb des Rates der Stadt“, beschreibt Theisohn das Selbstverständnis der Arbeit des Gremiums.

Im Gegensatz zu allen anderen Akteuren der Seniorenarbeit sei die Seniorenvertretung sowohl seniorenpolitisch als auch karitativ tätig. „Es ist beides, wir bieten jedem einzelnen älteren Menschen auch immer etwas zur Verbesserung seiner persönlichen Lebenssituation an, äußern aber auch unsere Meinung zu politischen Vorhaben und Initiativen, die alle betreffen, und fordern dabei die Beachtung seniorenspezifischer Interessen ein.“

Senioren seien nun mal die besten Experten in eigener Sache, untermauert Wegner diesen Standpunkt, und deren Sachverstand daher auch unersetzlich.

Für die Zukunft schlägt Theisohn ein deutlich verbessertes Zusammenspiel zwischen Stadtverwaltung, Wohlfahrtsverbänden und Seniorenvertretung als den Hauptakteuren im Feld der Seniorenarbeit vor.

Zu oft würde die Seniorenvertretung erst eingeschaltet, wenn sich Verwaltung und die Liga der Wohlfahrtsverbände auf ein Vorgehen geeinigt hätten. Dabei wäre es effektiver, „zu mehr gemeinsamer Planungsarbeit zu kommen“. Er hofft auf das vorzeitige Miteinander der drei Akteure, wenn demnächst das Konzept zur Arbeit der Seniorennetzwerke überarbeitet wird.

Das Stichwort Seniorennetzwerke nimmt Dr. Wegner dankbar auf. „Seit 2006 haben wir deren Arbeit offen und offensiv unterstützt. Netzwerke und die bezirkliche Seniorenvertretung arbeiten Hand in Hand. Bewundernswert finde ich sowohl das Engagement der ehrenamtlich Tätigen als auch der Netzwerkkoordinatoren.“

Auch Martin Theisohn erkennt das persönliche Engagement an, hält aber die halben Stellen für die Koordinatoren für nicht zuträglich. „Davon kann keiner leben. Dann ist der Betroffene gezwungen, eine weitere halbe Stelle dazuzunehmen, und ist so einer nicht zumutbaren Doppelbelastung ausgesetzt.“

Sein Credo: Lieber ganze Stellen als halbe. Und statt der auf drei Jahre befristeten Koordination sollen Netzwerke vor allem in strukturschwachen Stadtteilen unbefristet mit Koordinatoren ausgestattet werden.

Forderungen, die Manfred Wegner teilt. Mit seiner Amts- und Altersweisheit weist er aber darauf hin, dass wie in anderen Fällen ein langer Atem zum Erfolg gebraucht werde. „Seniorenvertretungsarbeit ist das Bohren dicker Bretter. Vor den Erfolg haben die Verantwortlichen Beharrlichkeit und Ausdauer gesetzt.“

Dem Dienstältesten im Bunde, Georg Herwegh, ist es ein Bedürfnis, die Bedeutung des Gremiums für die gesamte Stadtgesellschaft herauszustellen. „Mir war es immer ein besonderes Anliegen, die Zusammengehörigkeit und das Miteinander der Stadtgesellschaft zu fördern. Wichtig fand ich vor allem, junge und ältere Leute ins Gespräch zu bringen, den Brückenschlag zwischen Alt und Jung zu schaffen.“

So organisierte er in seiner Amtszeit EDV-Kurse für Senioren, die von Schülern des Apostelgymnasiums geleitet wurden. „Alt lernt von Jung“ war das Motto. Aber auch das generationenübergreifende Reinigen des Adenauer-Weihers verbucht er in seiner Erfolgsliste.

Der von Herwegh beschriebene Arbeitsansatz wurde in der Ära Wegner beibehalten. In der Zeitzeugenbörse klären Ältere Schüler und Jugendliche über die Zeit des Nationalsozialismus auf. Im Projekt „Wohnen für Hilfe“ stellen Senioren Studenten Wohnraum zur Verfügung und erhalten dafür Alltagshilfen.

Das jüngste Projekt ist die Taschengeldbörse, bei dem Schüler gegen ein Taschengeld Senioren im Alltag unterstützen. Das Projekt gibt es in der Innenstadt und in Ostheim/ Neubrück.

Ganz in der Herwegh’schen Tradition hat dort Martin Theisohn vor einigen Wochen einen von Schülern geleiteten Kurs über den Umgang mit Smartphone und Tablet organisiert.

Die Seniorenvertretung Köln

Am 26. Oktober 1976 beschloss der Rat der Stadt Köln die Einrichtung der Seniorenvertretung. Sie vertritt in beratender Funktion die Interessen der älteren Generation gegenüber politischen Gremien und Einrichtungen, die für Seniorinnen und Senioren wichtig sind. Die Vertreter werden in Urwahl, also direkt von den ca. 250.000 über sechzigjährigen Kölnerinnen und Kölnern gewählt. Die erste Wahl fand Ende November 1978 als Urnenwahl in Altenclubs und Seniorenheimen statt. Seit 1986 wird sie als Briefwahl durchgeführt.

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Tags: Seniorenvertretung

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