Leben in Köln

Denn he hält m’r zosamme ...

rde · 12.03.2019

Die Muschele beim von ihnen selbst organisierten Karnevalszug. Foto: Ernst Braun

Die Muschele beim von ihnen selbst organisierten Karnevalszug. Foto: Ernst Braun

Die Mauenheimer Muschele sind auch in ihrem 60. Jahr mehr als nur ein Karnevalsverein.

Gabi Stüsser hat Tränen in den Augen. Zwiebel schneiden kann nun schon mal eine „feuchte Angelegenheit“ sein. Unterdessen schmiert Susanne Walther Butter auf etliche Brötchenhälften und Melanie Lietz belegt sie mit frischem Mett. Egal ob Mett- und Käsebrötchen oder Frikadellen – bei den Veranstaltungen der Mauenheimer Muschele ist alles selbstgemacht und kommt frisch auf den Tisch. Das ist bei der alljährlichen Sessionseröffnung so, und auch auf der Senioren-, Damen- und Herrensitzung im Pfarrsaal von St. Quirinus. „Bei uns kommt nichts von der Metro oder so, wir machen das selbst“, sagt Gabi Stüsser.

Seit drei Jahren ist die jetzige Geschäftsführerin nun Mitglied im Verein. Sie schätzt vor allem die Gemeinschaft der Karnevalsfreunde. Sommergrillen, Weihnachtsfeiern, aber auch gemeinsame Konzertbesuche oder Familienfeste gehören das ganze Jahr dazu. In diesem Jahr feiert der Verein sein 60-jähriges Bestehen.

Wie lange er schon dabei ist? Bei dieser Frage kommt Heinz Krantz mächtig ins Grübeln. Eine Antwort kann er letztlich gar nicht geben. „Die Jahre sind so dahin gegangen“, so der Präsident und erste Vorsitzende. Aber sein Beweggrund ist damals wie heute derselbe: Jung und Alt zusammenzubringen. Denn die Mauenheimer Muschele verstehen sich nicht nur als ein Karnevalsverein.

Für die Gemeinschaft im Veedel

„Wir möchten, dass sich die Leute im Veedel untereinander helfen, auf sich achten“, sagt Krantz. Das Gemeinschaftsgefühl, das sei mit den Jahren in Mauenheim etwas abhandengekommen. Dass die Schere zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft weiter auseinandergeht, sei auch im Veedel sichtbar. Das sieht er, wenn er morgens Zeitungen austrägt. „Dann sind viele ältere Menschen unterwegs Flaschen sammeln“, so Krantz, der selbst einen Hausmeisterservice betreibt.

Den Menschen, die er in diesen frühen Morgenstunden sieht, den Fasteleer zu ermöglichen, das sei auch ein Ziel der Muschele. Karneval für kleines Geld, das sei es, worauf es ankomme, sagt er. Gemeinschaft heißt eben auch, gemeinsam die fünfte Jahreszeit zu feiern. Kommerz ist da fehl am Platze und Heinz Krantz ein Dorn im Auge. Seitdem er einmal 11 DM für eine Flasche Wasser bei einer Sitzung in der Innenstadt zahlte, steht für ihn fest: „Zu so was gehe ich nicht mehr hin.“ Dem Festkomitee gehören die Muschele nicht an.

Der Karneval selbst liegt Heinz Krantz im Blut. Auf Rosenmontag 1956 ist er geboren. Wie verbindend der Fasteleer sein kann, weiß er aus eigener Erfahrung. Seine jetzige Frau Birgit hat er an Wieverfastelovend kennengelernt. Auf der Damensitzung der Muschele hat er ihr einen Antrag gemacht. „Da hab ich ganz schön das Wasser in den Schuhen stehen gehabt.“ 2012 sei das gewesen, ein Jahr später folgte die Hochzeit.

Mauenheimer Muschele
Susanne Walther (links) und Melanie Lietz: Die Stärkung für die Sitzung wird mit Liebe selbst gemacht. Foto: René Denz

Auch Elisabeth Heldt und Jürgen Grün haben sich durch die Muschele gefunden. An dem Tag als Papst Johannes Paul II. 1980 Köln besucht hatte. Elisabeth Heldt war damals schon bei den Muschele. Dorthin hatten sie Bekannte mitgenommen, als ihr Mann verstorben war. Sie sollte nicht in ein tiefes Loch fallen. Auch der ehemalige Bahnpolizist Grün war damals schon verwitwet.

Verantwortlich für den Veedelszoch

Gemeinsam waren sie dann bei den Muschele schwer aktiv. Küchendienst, Gläserspülen und vieles mehr stand bei den Veranstaltungen auf dem Programm. Doch mit 82 Jahren dürfe sie dann auch mal kürzer treten, sagt Elisabeth Heldt. Beim Veedelszoch sind sie aber wieder mit dabei. „Darauf freuen wir uns sehr“, sagt der 78-jährige Jürgen Grün. Auch wenn es natürlich ein teures Vergnügen sei. 400 bis 500 Euro an Wurfmaterial für beide gehen da schon drauf. Doch die freudestrahlenden Menschen am Wegesrand entschädigen alles.

Den bunten Zoch im Veedel richten die Muschele aus. Dann mieten sie sich immer extra einen Wagen samt Zugmaschine, geschmückt werden kann erst am Veranstaltungstag. Bis es soweit ist, hat vor allem Zugleiter Volker Kaiser wieder einiges zu tun. Anmeldungen der teilnehmenden Gruppen abarbeiten, Spielmannszüge organisieren, Genehmigungen einholen und auch ein paar Nüssele im Veedel sammeln.

Dass Gabi Stüsser auch mal in einem Veedelszoch mitgehen würde, hätte sie sich noch vor ein paar Jahren nicht vorstellen können. „Doch wenn man einmal erlebt hat, wie toll das ist, die Leute am Straßenrand zu sehen, will man es nicht mehr missen.“ Da herrsche dann so ein Wir-Gefühl im Veedel, sagt die 53-Jährige. Vielleicht gibt es dann auch wieder ein paar Tränen in den Augen: vor Freude.

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Tags: Geschichte , Karneval , Mauenheim , Stadtteile

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