Gesund leben

Gesund durch den Sommer

. · 12.06.2018

Foto: Unsplash / Ian Schneider

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Viele Menschen leiden unter der Sommerhitze. Auf was man achten sollte, besprach KölnerLeben mit Dr. Jochen Hoffmann, dem Leiter des Zentrums für Altersmedizin am Malteser Krankenhaus St. Hildegardis.

Herr Dr. Hoffmann, ist heißes Sommerwetter für manche Menschen wirklich gefährlich?
Ja, in gewisser Weise schon. Besonders ein älterer oder geschwächter Körper stellt sich langsamer auf Veränderungen ein – das bedeutet, diese Menschen haben bei hohen Temperaturen mehr Schwierigkeiten, alle Körperfunktionen aufrechtzuerhalten und zu regulieren. Dazu gehören der Stoffwechsel, der Salz- und Mineralhaushalt, die Körpertemperatur und der Flüssigkeitshaushalt. Riskant ist auch, wenn das Durstgefühl nachlässt.

Welche Risiken drohen genau?
Ein geschwächtes Herz- Kreislauf-System reagiert zum Beispiel mit Schwindel, Ohnmacht, aber auch Herzjagen oder Herzrhythmusstörungen. Auch Herzinfarkt und Schlaganfall können eher auftreten. Eine Nierenschädigung wird bei Flüssigkeitsmangel schnell zum Nierenversagen. Sommerliche Hitze kann also für einen älteren Menschen eine wirkliche Herausforderung sein.

Worauf muss man konkret achten, wenn die Temperaturen steigen?
Grundsätzlich ist die wichtigste Regel: bewusst und genug trinken. Ausreichend heißt: zwischen 1,5 und 2 Litern am Tag zu sich nehmen. Wichtig ist, bewusst zu trinken – auch wenn man vielleicht gar keinen Durst verspürt. Dabei kann es helfen, einige Tage lang ein Trinkprotokoll zur Selbstkontrolle zu führen.

Welche Getränke eignen sich besonders gut?
Ideal sind natürlich Mineralwasser, aber auch Tees oder Saftschorlen. Zu jeder Tasse Kaffee sollte man ein Glas Wasser trinken und Alkohol in großen Mengen meiden. Trotzdem muss niemand auf sein Kölsch am Abend verzichten. Wenn er vorher genug Gesundes getrunken hat.

Sollten die Getränke gekühlt sein?
Besser sind lauwarme Getränke. Auf kalte reagiert der Körper mit zusätzlicher Wärmeproduktion, die zum Schwitzen führt.

Gibt es auch für das Essen bei warmem Wetter Regeln?
Auch bei hohen Temperaturen sollte man das Essen nicht vergessen! Da bei starker Wärme der Appetit eher gezügelt ist, empfehlen sich frische, möglichst fettarme und leichte Speisen. Mit Obst und Gemüse, Salaten und Milchprodukten bekommt der Körper neben Wasser auch die Vitamine und Energie, die er jetzt braucht.

Das klingt sehr nach den üblichen Ernährungstipps für gesundes Essen.
Bei extremen Temperaturen darf eine ausgewogene Ernährung auch einmal pausieren. Wer jetzt Appetit auf etwas stark Gesüßtes, Saures oder kräftig Gewürztes hat, sollte – und das entspricht nicht den gängigen Ernährungsempfehlungen – sich das gönnen. Für manche ist es auch angenehmer, viele kleine statt weniger großer Mahlzeiten zu essen.


Foto: Pexels / Skitterphoto

Sollte man sich bei hohen Temperaturen bewegen?
Ein gemütlicher Spaziergang, am besten in den kühleren Morgenstunden, tut gut und ist gesund. Bei großer Hitze kann man auch einmal einen Tag faul bleiben. Auf jeden Fall sollte man bei Hitze extreme Belastung vermeiden – ein älterer Körper kommt da schnell an seine Grenzen.

Hilft es denn, die Beine hochzulegen?
Manche stellen ja die Füße in kaltes Wasser. Beides ist gut, aber mit unterschiedlicher Wirkung: Die Beine hochlegen hilft den Kreislauf zu stabilisieren. Kalte Fußbäder bewahren den Körper vor Überhitzung. Wichtig ist aber, dass die Fußbäder nicht zu lang sind und beides nicht zu oft gemacht wird.

Und wenn man unterwegs ist?
Am besten nimmt man eine Flasche Wasser mit und trinkt hin und wieder etwas. Luftige und leichte Kleidung aus Naturfasern ist empfehlenswert, denn Kunstfasern stauen die Körperwärme. Auch die Schuhe sollten luftig sein, damit das Blut gut zirkuliert.

Muss man beim Thema Sonnenschutz etwas Besonderes beachten?
Ältere Menschen reagieren noch empfindlicher auf Sonneneinstrahlung – deswegen sollte ein Hut oder eine Mütze aus hellem, leichtem Stoff getragen werden. Beim Sonnenbad oder auch bei längeren Aufenthalten draußen darf das Sonnenschutzprodukt je nach Hauttyp ruhig einen Schutzfaktor von 50 haben.

Das Gespräch führte Martina Dammrat.

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